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Weinreben im Garten: Sorten, Erziehung, Schnitt und eine gesunde Traubenernte

So wachsen Tafeltrauben im Hausgarten: pilzwiderstandsfähige Sorten, Standort, Pflanzung, Erziehung am Spalier, Winter- und Sommerschnitt, Mehltau, Wespen, Ernte und Verwertung.

Eine Weinrebe an der Hauswand, über der Pergola oder am Gartenzaun ist ein schöner Anblick und liefert im Spätsommer süße Trauben direkt vom Stock. Viele Gärtner trauen sich an Weinreben nicht heran, weil sie den Schnitt für eine Wissenschaft halten und Pilzkrankheiten fürchten. Mit der richtigen Sorte und ein paar Grundregeln gelingt der Anbau von Tafeltrauben im Hausgarten aber auch Einsteigern.

Dieser Ratgeber erklärt, welche Sorten sich eignen, welcher Standort ideal ist, wie du eine Rebe pflanzt und erziehst, wie der Schnitt funktioniert und wie du die Trauben gesund bis zur Ernte bringst.

Tafeltrauben und Keltertrauben

Für den Hausgarten werden meist Tafeltrauben gepflanzt, also Sorten, die zum Frischverzehr gezüchtet wurden. Sie haben größere Beeren, oft eine dünnere Schale und manche sind kernlos. Keltertrauben für die Weinherstellung sind kleinbeeriger, dichter und säurebetonter, und für die Herstellung von Wein für den Eigenbedarf gelten eigene Regeln. Für den Genuss frisch vom Stock sind Tafeltrauben die richtige Wahl.

Pilzwiderstandsfähige Sorten

Die größte Herausforderung im Weinanbau sind Pilzkrankheiten, allen voran der Echte und der Falsche Mehltau. Im Hausgarten, wo niemand regelmäßig spritzen möchte, sind deshalb pilzwiderstandsfähige Sorten die beste Wahl. Sie werden oft als PIWI-Sorten bezeichnet und sind aus Kreuzungen mit widerstandsfähigen Wildreben entstanden.

Achte beim Kauf auf folgende Punkte:

  • Widerstandsfähigkeit: In der Sortenbeschreibung sollte eine gute Widerstandsfähigkeit gegen Echten und Falschen Mehltau angegeben sein.
  • Reifezeit: In kühleren Regionen sind früh reifende Sorten wichtig, damit die Trauben vor dem Herbst ausreifen.
  • Kernlos oder mit Kernen: Kernlose Sorten sind bei Kindern beliebt, Sorten mit Kernen oft aromatischer.
  • Farbe: Es gibt weiße, rosafarbene und blaue Tafeltrauben. Blaue Sorten sind manchmal etwas wärmebedürftiger.

Lass dich in einer Baumschule mit Rebsortiment beraten, welche Sorten in deiner Region bewährt sind.

Der richtige Standort

Weinreben lieben Wärme und Sonne. Ideal ist eine Süd- oder Südwestwand, an der sich die Wärme tagsüber speichert und nachts abgegeben wird. Auch eine sonnige Pergola oder ein Zaun in voller Sonne eignen sich. Im Schatten reifen die Trauben schlecht und werden anfälliger für Krankheiten.

Der Boden sollte durchlässig sein, denn Staunässe vertragen Reben nicht. Ansonsten sind sie anspruchslos und wurzeln mit der Zeit sehr tief. Achte an Hauswänden darauf, dass der Regen die Pflanze erreicht, oder gieße in den ersten Jahren regelmäßig, denn unter Dachvorsprüngen bleibt der Boden oft trocken.

Pflanzen

Die beste Pflanzzeit ist das Frühjahr, wenn der Boden sich erwärmt hat, Containerpflanzen lassen sich aber von Frühjahr bis Herbst setzen.

  1. Hebe ein großes Pflanzloch aus und lockere den Untergrund gut auf.
  2. Pflanze die Rebe etwa 20 bis 30 Zentimeter von der Wand entfernt und neige sie leicht zur Wand hin.
  3. Setze sie so tief, dass die Veredelungsstelle, die verdickte Stelle am unteren Stamm, etwa eine Handbreit über der Erde liegt.
  4. Fülle mit Erde und etwas reifem Kompost auf und gieße kräftig an.
  5. Bringe gleich ein stabiles Spalier oder Drähte an, an denen die Rebe in den nächsten Jahren erzogen wird.

Erziehung am Spalier

Eine Weinrebe wächst ohne Erziehung zu einem dichten, unübersichtlichen Gewirr mit wenigen, kleinen Trauben. Deshalb wird sie in den ersten Jahren zu einem festen Gerüst erzogen. Bewährt ist die Erziehung mit einem Stamm und waagerechten Armen an Drähten, ähnlich wie im Weinberg.

Im ersten Jahr lässt du nur den kräftigsten Trieb wachsen und bindest ihn senkrecht an. Im zweiten Jahr wird dieser Trieb zum Stamm, und du ziehst an ihm in der gewünschten Höhe einen oder zwei waagerechte Arme. In den folgenden Jahren bilden sich an diesen Armen jedes Jahr neue Fruchttriebe. Wichtig ist, dass die Rebe ihr Gerüst behält und jedes Jahr kräftig zurückgeschnitten wird.

Der Winterschnitt

Weinreben tragen an den Trieben, die im selben Jahr aus dem Holz des Vorjahres wachsen. Damit sie jedes Jahr kräftige Fruchttriebe bilden, werden sie im Winter stark zurückgeschnitten. Der beste Zeitpunkt ist der Spätwinter, etwa im Februar, an einem frostfreien Tag. Wer zu spät im Frühjahr schneidet, wenn der Saft schon steigt, erlebt, dass die Rebe stark „blutet“, also Saft aus den Schnittstellen verliert.

Eine einfache Methode für Hausgärten ist der Zapfenschnitt: Die Triebe des Vorjahres, die an den waagerechten Armen gewachsen sind, werden auf kurze Zapfen mit zwei Augen, also zwei Knospen, eingekürzt. Aus diesen Augen wachsen im Frühjahr die neuen Fruchttriebe. Alte, abgetragene Zapfen werden nach und nach durch neue ersetzt.

Der Sommerschnitt

Auch im Sommer braucht die Rebe Aufmerksamkeit, damit die Trauben Licht und Luft bekommen:

  • Ausbrechen: Im Frühjahr entfernst du überzählige, schwache Triebe, sodass an jedem Zapfen nur ein bis zwei kräftige Triebe bleiben.
  • Einkürzen: Fruchttriebe werden einige Blätter oberhalb der letzten Traube eingekürzt, damit die Rebe ihre Kraft in die Früchte steckt.
  • Geiztriebe: Die kleinen Seitentriebe in den Blattachseln kürzt du auf ein bis zwei Blätter ein.
  • Entblättern: Im Spätsommer entfernst du einzelne Blätter rund um die Trauben, damit sie besser abtrocknen und reifen. Entferne aber nicht zu viele, sonst bekommen die Beeren Sonnenbrand.

Krankheiten und Schädlinge

Echter Mehltau zeigt sich als weißgrauer, mehliger Belag auf Blättern und Beeren, die später aufplatzen. Falscher Mehltau bildet ölige Flecken auf der Blattoberseite und einen weißen Flaum auf der Unterseite und tritt bei feuchtem Wetter auf. Neben widerstandsfähigen Sorten helfen ein luftiger Standort, ein regelmäßiger Sommerschnitt und das Entfernen befallener Blätter. Mehr dazu im Ratgeber Pilzkrankheiten vorbeugen.

Kurz vor der Reife werden Wespen und Vögel zur größten Konkurrenz. Organzabeutel, die über die einzelnen Trauben gezogen werden, schützen zuverlässig, lassen Licht durch und verhindern, dass Wespen an angepickte Beeren gelangen. Ein Netz über der ganzen Rebe hält Vögel fern.

Ernte und Verwertung

Trauben reifen am Stock nicht nach dem Pflücken nach. Ernte sie erst, wenn sie ihre typische Farbe erreicht haben, die Beeren leicht weich werden und süß schmecken. Probiere am besten einige Beeren von verschiedenen Stellen der Traube, denn die Reife kann variieren. Schneide die ganzen Trauben mit einer Schere ab.

Frische Trauben halten im Kühlschrank einige Tage. Wer viele hat, macht Traubensaft, Gelee oder trocknet kernlose Sorten zu Rosinen. Auch die jungen Blätter sind essbar und werden in vielen Küchen gefüllt.

Weinreben im Kübel

Auch auf Balkon und Terrasse gedeihen Weinreben, wenn der Kübel groß genug ist, mindestens etwa 40 bis 50 Liter. Wähle eine kompakte, früh reifende Sorte, stelle den Kübel an den sonnigsten Platz und gieße regelmäßig. Im Winter braucht der Kübel einen Schutz vor dem Durchfrieren, etwa eine Ummantelung aus Jute oder Kokosmatten und einen geschützten Platz an der Hauswand.

Praxisbeispiel: Die Rebe an der Garagenwand

Ein Leser pflanzte an seiner sonnigen Garagenwand eine pilzwiderstandsfähige, früh reifende Tafeltraube. In den ersten zwei Jahren erzog er nur einen Stamm und zwei waagerechte Arme an gespannten Drähten und ließ der Rebe keine Trauben, damit sie kräftig einwurzeln konnte.

Ab dem dritten Jahr schnitt er jeden Februar die Vorjahrestriebe auf Zapfen mit zwei Augen zurück und entfernte im Sommer überzählige Triebe. Die Trauben schützte er im August mit Organzabeuteln vor Wespen. Seitdem erntet er jedes Jahr süße Trauben, ohne je ein Pflanzenschutzmittel gesprüht zu haben.

Gießen und Düngen

Junge Reben brauchen in den ersten beiden Jahren in Trockenperioden regelmäßig Wasser, bis ihre Wurzeln tief genug reichen. Ältere Reben wurzeln so tief, dass sie im Garten meist ohne zusätzliches Gießen auskommen, außer in sehr trockenen Sommern oder an Hauswänden unter einem Dachüberstand.

Auch beim Düngen gilt: weniger ist mehr. Eine Schicht reifer Kompost im Frühjahr genügt in den meisten Gärten. Zu viel Stickstoff lässt die Rebe stark ins Laub wachsen, macht die Triebe weich und anfällig für Pilzkrankheiten und verzögert die Reife der Trauben. Eine Mulchschicht unter der Rebe hält den Boden feucht und fördert das Bodenleben.

Häufige Fragen

Wann trägt eine junge Rebe die ersten Trauben?

Meist im zweiten oder dritten Jahr nach der Pflanzung. Es lohnt sich, in den ersten beiden Jahren Blütenstände zu entfernen, damit die Rebe ihre Kraft in Wurzeln und Gerüst steckt.

Sind Weinreben winterhart?

Die meisten Tafeltrauben vertragen mitteleuropäische Winter gut, wenn sie ausgepflanzt sind. Junge Reben schützt du in den ersten Wintern mit einer Schicht Laub oder Erde um die Veredelungsstelle. Kübelpflanzen brauchen einen Schutz für den Wurzelballen.

Warum platzen meine Trauben auf?

Häufig nach starken Regenfällen kurz vor der Reife, wenn die Beeren schnell viel Wasser aufnehmen. Auch Echter Mehltau lässt Beeren aufplatzen. Gleichmäßige Wasserversorgung und ein luftiger Schnitt beugen vor.

Kann ich eine Rebe aus einem Steckholz ziehen?

Ja, Reben lassen sich im Winter leicht über Steckhölzer vermehren. Sie wachsen dann allerdings auf eigener Wurzel und nicht auf einer Unterlage, was in manchen Gegenden das Risiko für Wurzelschädlinge erhöht. Für den Hausgarten sind veredelte Pflanzen aus der Baumschule meist die sicherere Wahl.

Wächst eine Rebe auch im Halbschatten?

Wachsen schon, aber die Trauben reifen dort schlecht und bleiben sauer. Plane für eine Rebe mindestens einige Stunden direkte Sonne am Tag ein, besser einen vollsonnigen Platz. In schattigeren Gärten sind früh reifende Sorten die einzige realistische Wahl.

Fazit

Mit einer pilzwiderstandsfähigen Tafeltraube, einem sonnigen, warmen Standort und einem festen Gerüst aus Stamm und Armen gelingt der Weinanbau auch im Hausgarten. Der kräftige Winterschnitt auf kurze Zapfen und ein paar Handgriffe im Sommer sorgen für gesunde Trauben, und Organzabeutel schützen die Ernte vor Wespen. So wird die Rebe an der Hauswand zu einem langlebigen, ertragreichen Mitbewohner des Gartens.

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