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BYOYBiologisch, ohne Gift: Garten mit Herz

Jungpflanzen abhärten und auspflanzen: vom Fensterbrett sicher ins Beet

Vorgezogene Pflanzen sicher ins Beet bringen: zehn Tage Abhärteplan, Eisheilige und Bodentemperatur, gesunde Jungpflanzen erkennen, richtig pflanzen und in den ersten Tagen schützen.

Wochenlang hast du Tomaten, Paprika, Kohl und Salat auf der Fensterbank gehegt. Sie sind kräftig und grün, und endlich ist es Mai. Doch wer die Pflanzen direkt vom warmen Wohnzimmer ins Beet setzt, erlebt oft eine Enttäuschung: Am nächsten Tag sind die Blätter weiß verbrannt, die Pflanzen hängen schlaff herunter, oder eine kalte Nacht hat sie geschädigt. Der Grund ist einfach: Pflanzen, die im Haus aufgewachsen sind, kennen weder direkte Sonne noch Wind noch kühle Nächte. Sie müssen sich daran gewöhnen. Dieser Schritt heißt Abhärten. Er dauert ein bis zwei Wochen und entscheidet darüber, wie gut deine Jungpflanzen im Beet starten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Abhärten bedeutet, Jungpflanzen über sieben bis vierzehn Tage schrittweise an Sonne, Wind und Außentemperaturen zu gewöhnen.
  • Beginne mit ein bis zwei Stunden im Schatten an einem milden Tag und steigere die Zeit und die Sonnenmenge täglich.
  • Wärmeliebende Kulturen wie Tomaten, Paprika, Gurken und Zucchini kommen erst nach den Eisheiligen und bei Nachttemperaturen über 10 Grad ins Beet.
  • Pflanze an einem bewölkten Tag oder am späten Nachmittag, gieße gründlich an und schütze die Pflanzen in den ersten Tagen.
  • Gekaufte Jungpflanzen aus dem Gewächshaus müssen ebenfalls abgehärtet werden.

Warum Abhärten nötig ist

Pflanzen passen ihre Blätter an das Licht an, in dem sie wachsen. Unter Fensterglas und im Zimmer ist die Lichtmenge viel geringer als draußen, und vor allem fehlt die UV-Strahlung, die vom Glas zurückgehalten wird. Die Blätter von Zimmerpflanzen sind deshalb dünner und haben weniger Schutzstoffe. In praller Sonne bekommen sie einen Sonnenbrand: weiße oder braune, papierartige Flecken.

Hinzu kommen Wind und Temperatur. Im Haus wachsen Pflanzen weich und mit dünnen Stängeln. Draußen werden sie durch Wind bewegt und bilden festeres Gewebe. Und Kälte, auch ohne Frost, kann wärmeliebende Pflanzen wie Tomaten, Gurken und Basilikum so schwächen, dass sie wochenlang im Wachstum stocken.

Ein Abhärteplan für zehn Tage

TagOrtDauer
1 bis 2draußen im Schatten, windgeschützt1 bis 2 Stunden am wärmsten Teil des Tages
3 bis 4Halbschatten3 bis 4 Stunden
5 bis 6Morgensonne, danach Halbschatteneinen halben Tag
7 bis 8Sonne bis zum frühen Nachmittagden ganzen Tag, nachts hereinholen
9 bis 10volle SonneTag und Nacht draußen, wenn keine kalte Nacht droht

Passe den Plan an das Wetter an. An kalten, windigen Tagen bleiben die Pflanzen drinnen oder im geschlossenen Frühbeet. Ein Frühbeet ist der ideale Ort zum Abhärten: Du öffnest den Deckel jeden Tag etwas weiter und länger.

Kohl, Salat, Zwiebeln und Kohlrabi sind robuster. Sie vertragen kühle Nächte über null Grad und können schon im April abgehärtet und gepflanzt werden. Tomaten, Paprika, Auberginen, Gurken, Zucchini, Kürbis und Basilikum sind wärmebedürftig. Sie brauchen beim Abhärten Temperaturen über 10 bis 12 Grad.

Wann ins Beet?

Die Eisheiligen vom 11. bis 15. Mai sind die bekannteste Faustregel. Bis dahin kann es in vielen Regionen Deutschlands noch Nachtfrost geben. Entscheidender als das Datum sind aber die tatsächlichen Temperaturen:

KulturBedingung für das Auspflanzen
Salat, Kohlrabi, Kohl, Zwiebeln, Lauchab Mitte April, keine strengen Fröste mehr, Vlies bereithalten
Sellerieab Anfang bis Mitte Mai, kalte Nächte können ihn zum Schießen bringen
Tomaten, Paprika, Auberginennach den Eisheiligen, Nachttemperaturen dauerhaft über 10 °C
Gurken, Zucchini, Kürbisnach den Eisheiligen, Boden mindestens 12 bis 15 °C
Basilikumerst bei warmem Wetter Ende Mai oder Juni

In kühlen Lagen wie in Mittelgebirgen oder im Norden kann es sinnvoll sein, bis Anfang Juni zu warten. Die Termine für Aussaat und Pflanzung jedes Gemüses findest du im Aussaatkalender für Gemüse.

Gesunde Jungpflanzen erkennen

Wenn du Jungpflanzen kaufst, achte auf:

  • kräftige, gedrungene Pflanzen mit sattgrünen Blättern,
  • dicke Stängel statt langer, dünner, vergeilter Triebe,
  • einen gut durchwurzelten, aber nicht verfilzten Wurzelballen,
  • keine gelben oder fleckigen Blätter, keine Läuse an den Blattunterseiten,
  • bei Tomaten noch keine oder nur erste Blüten.

Pflanzen aus dem Gartencenter stehen oft im Gewächshaus. Auch sie musst du einige Tage abhärten. Jungpflanzen aus biologischem Anbau gibt es auf Wochenmärkten, in Bio-Gärtnereien und auf Pflanzentauschbörsen.

Richtig auspflanzen

  1. Zeitpunkt: Pflanze an einem bewölkten, windstillen Tag oder am späten Nachmittag. So haben die Pflanzen die Nacht, um sich zu erholen.
  2. Wässern: Gieße die Jungpflanzen eine Stunde vor dem Pflanzen gründlich oder tauche die Töpfe in einen Eimer Wasser.
  3. Pflanzloch: Hebe ein Loch aus, das etwas größer ist als der Wurzelballen. Gib bei Starkzehrern eine Handvoll reifen Kompost hinein, wie in Starkzehrer, Mittelzehrer, Schwachzehrer beschrieben.
  4. Pflanztiefe: Die meisten Pflanzen setzt du so tief, wie sie im Topf standen. Tomaten setzt du tiefer, sie bilden am eingegrabenen Stängel zusätzliche Wurzeln. Kohl setzt du bis zu den ersten Blättern ein, damit er stabil steht. Salat nur so tief, dass der Wurzelhals frei bleibt, sonst fault er.
  5. Andrücken und Angießen: Drücke die Erde rund um den Ballen fest und gieße kräftig an, damit sich die Erde an die Wurzeln legt.
  6. Mulchen: Eine dünne Mulchschicht hält die Feuchtigkeit, sobald der Boden warm ist.

Schutz in den ersten Tagen

  • Sonne: Bei sehr sonnigem Wetter schattierst du die frisch gepflanzten Pflanzen zwei bis drei Tage mit einem Vlies oder einem schräg gestellten Brett.
  • Kalte Nächte: Ein Vlies über dem Beet bringt einige Grad Schutz. Halte es bis Mitte Juni griffbereit.
  • Wind: Hohe Pflanzen wie Tomaten bekommen gleich beim Pflanzen ihren Stab oder ihre Spirale.
  • Schnecken: Frisch gepflanzte Salate und Zucchini sind für Schnecken besonders verlockend. Kontrolliere abends und morgens. Mehr dazu in Nacktschnecken ohne Gift.
  • Erdflöhe und Kohlfliegen: Ein Kulturschutznetz direkt nach dem Pflanzen schützt Kohl, Kohlrabi und Radieschen.

Eigene Jungpflanzen: die Zeit auf der Fensterbank

Wer selbst vorzieht, legt den Grundstein für kräftige Jungpflanzen schon auf der Fensterbank. Drei Punkte entscheiden:

  • Licht: Ein Südfenster ist ideal. Zu wenig Licht lässt die Pflanzen vergeilen, sie werden lang, dünn und hellgrün. Eine Pflanzenleuchte hilft im Februar und März.
  • Temperatur nach dem Keimen: Zum Keimen brauchen Tomaten und Paprika Wärme. Sobald die Keimblätter da sind, stellst du sie kühler, etwa 16 bis 18 Grad. So wachsen sie gedrungen.
  • Pikieren: Wenn die ersten echten Blätter erscheinen, setzt du jede Pflanze in einen eigenen kleinen Topf. Tomaten setzt du dabei etwas tiefer.

Ein leichter Luftzug, etwa durch einen Ventilator auf niedriger Stufe oder sanftes Streichen über die Pflanzen, stärkt die Stängel schon vor dem Abhärten.

Pflanzzeiten im Überblick

Robuste Kulturen wie Salat, Kohlrabi, Kohl, Mangold und Zwiebeln vertragen kühle Nächte und können ab April abgehärtet ins Beet, in rauen Lagen etwas später. Frostempfindliche Pflanzen wie Tomaten, Gurken, Zucchini, Kürbis, Paprika und Basilikum warten bis nach den Eisheiligen Mitte Mai. Paprika und Gurken mögen zusätzlich warmen Boden und wachsen nach einem zu frühen Auspflanzen in kalter Erde oft wochenlang kaum weiter.

Lauch, Sellerie und Wintergemüse wie Grünkohl oder Rosenkohl werden je nach Sorte von Mai bis Juli gepflanzt. Wer seine Pflanzen in mehreren Sätzen pflanzt, erntet über einen längeren Zeitraum und verteilt das Risiko, falls ein später Frost oder ein Hitzesommer einer Pflanzung zusetzt.

Die richtige Pflanztiefe

Nicht jede Pflanze wird gleich tief gesetzt. Tomaten darfst du tiefer pflanzen, als sie im Topf standen, denn am eingegrabenen Stängel bilden sie zusätzliche Wurzeln und stehen danach stabiler. Kohl wird bis zu den ersten Blättern eingesetzt. Salat dagegen pflanzt du so flach, dass der Wurzelballen gerade bedeckt ist; eine alte Gärtnerregel sagt, Salat müsse nach dem Pflanzen „im Wind flattern“. Zu tief gesetzt, fault sein Herz leicht.

Lauch setzt du in tiefe Pflanzlöcher, die du nach und nach mit Erde auffüllst. So entsteht ein langer, heller Schaft. Gurken und Zucchini pflanzt du auf gleicher Höhe wie im Topf, am besten auf einen kleinen Hügel, damit Wasser vom empfindlichen Stängelgrund abfließt.

Häufige Fragen

Was mache ich bei Sonnenbrand auf den Blättern?

Die verbrannten Stellen erholen sich nicht, aber die Pflanze bildet neue, angepasste Blätter. Schattiere sie einige Tage. Stark geschädigte Blätter kannst du später entfernen.

Meine Tomaten sind auf der Fensterbank lang und dünn geworden. Was tun?

Pflanze sie tief, bis zu den ersten Blättern. Der eingegrabene Stängel bildet Wurzeln, und die Pflanze wird stabil. Im nächsten Jahr säst du etwas später oder stellst die Pflanzen heller und kühler.

Wie lange kann ich Jungpflanzen im Topf lassen?

Nicht zu lange. Wenn die Wurzeln den Topf ausfüllen und die Pflanze gelbe Blätter bekommt, braucht sie mehr Platz. Topfe sie in einen größeren Topf um oder pflanze sie bei passendem Wetter aus.

Was tue ich, wenn nach dem Auspflanzen Frost angekündigt ist?

Decke empfindliche Pflanzen am Abend mit Vlies, umgedrehten Eimern oder Pflanzhauben ab und nimm die Abdeckung am nächsten Morgen wieder ab. Gieße den Boden vorher, denn feuchte Erde speichert Wärme besser als trockene. Bei starkem Frost holst du Pflanzen in Töpfen über Nacht ins Haus.

Muss ich frisch gepflanzte Jungpflanzen düngen?

Nicht sofort. Wenn du das Beet vorher mit Kompost versorgt hast, reichen die Nährstoffe für die ersten Wochen. Starkzehrer wie Tomaten, Kohl oder Kürbisse bekommen nach zwei bis drei Wochen, wenn sie sichtbar weiterwachsen, eine erste Gabe organischen Dünger.

Schwachzehrer wie Salat und Kräuter kommen meist ganz ohne zusätzlichen Dünger aus.

Zu viel Stickstoff macht junge Pflanzen weich und anfällig für Blattläuse.

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