Zum Inhalt springen
BYOYBiologisch, ohne Gift: Garten mit Herz

Igel im Garten: Unterschlupf, Durchgänge, Gefahren vermeiden und richtig helfen

So wird dein Garten igelfreundlich: Laub- und Reisighaufen, Igelhaus, Durchgänge im Zaun, Wasserstelle, Gefahren durch Mähroboter, Schächte und Gift, und wann ein Igel wirklich Hilfe braucht.

Wenn es in einer warmen Sommernacht im Beet raschelt, schmatzt und schnauft, ist oft ein Igel unterwegs. Igel gehören zu den liebsten Gartenbewohnern, und sie sind nützlich: Sie fressen Käfer, Larven, Raupen, Tausendfüßer und auch einige Schnecken. Doch vielen Igeln geht es nicht gut. Aufgeräumte Gärten ohne Verstecke, dichte Zäune, Straßen, Mähroboter und Insektenmangel machen ihnen das Leben schwer, und Fachleute beobachten in vielen Regionen einen Rückgang der Bestände. Mit wenig Aufwand kannst du deinen Garten zu einem sicheren Revier machen. Dieser Ratgeber zeigt, was Igel brauchen, welche Gefahren du vermeiden solltest und wann ein Igel tatsächlich Hilfe benötigt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Igel brauchen Verstecke: Laub- und Reisighaufen, wilde Ecken, dichte Hecken oder ein Igelhaus.
  • Eine Öffnung von etwa 13 × 13 Zentimetern im Zaun verbindet Gärten. Igel legen nachts große Strecken zurück.
  • Mähroboter nur tagsüber laufen lassen, nie in der Dämmerung oder nachts. Vor dem Mähen hoher Bereiche nachsehen.
  • Keine Schneckenkorn-Gifte, keine offenen Schächte, Teiche mit flachem Ausstieg, Netze bodenfern spannen.
  • Ein Igel, der im Herbst tagsüber herumläuft, abgemagert oder verletzt ist, braucht Hilfe von einer Igelstation oder Tierarztpraxis.

Wie Igel leben

Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber schlafen sie in Nestern aus Laub und Gras unter Hecken, Holzstapeln oder in dichtem Gebüsch. Nachts streifen sie auf Futtersuche umher und legen dabei oft einen Kilometer und mehr zurück, durch viele Gärten hindurch. Sie fressen vor allem Insekten und deren Larven, Regenwürmer, Tausendfüßer und Spinnen. Schnecken stehen ebenfalls auf ihrem Speiseplan, machen aber nur einen kleineren Teil aus. Ein Igel ersetzt also nicht das Schneckenmanagement, unterstützt es aber. Mehr dazu in Nacktschnecken ohne Gift.

Ab etwa November halten Igel Winterschlaf, je nach Witterung bis März oder April. Dafür brauchen sie ein trockenes, frostgeschütztes Nest und genügend Fettreserven, die sie sich im Spätsommer und Herbst anfressen.

Was Igel im Garten brauchen

Verstecke und Winterquartiere

  • Laubhaufen: Ein großer Haufen Laub in einer ruhigen Ecke, am besten unter einer Hecke oder mit Ästen beschwert, ist das ideale Winterquartier. Wie du Laub im Garten sinnvoll nutzt, steht in Laub im Garten nutzen.
  • Reisig- und Totholzhaufen: Geschnittene Äste locker aufgeschichtet bieten Schutz und Nahrung, weil darin viele Insekten leben.
  • Hecken aus heimischen Sträuchern: Weißdorn, Hasel, Schlehe und Holunder bieten Deckung und Insektennahrung.
  • Igelhaus: Ein Holzkasten mit Eingangstunnel, gefüllt mit trockenem Laub und Stroh, an einem schattigen, ruhigen Platz. Der Tunnel hält Katzen und Füchse fern.

Wildere Ecken

Ein Garten, in dem jeder Quadratmeter gemäht, geharkt und aufgeräumt ist, bietet Igeln weder Nahrung noch Schutz. Lass eine Ecke wild wachsen, mit hohem Gras, Brennnesseln und Laub. Dort leben Raupen, Käfer und andere Insekten, von denen Igel und viele Vögel leben. Ein Blühstreifen hilft zusätzlich, wie in Blühwiese anlegen beschrieben.

Durchgänge

Igel brauchen viele Gärten, um genug Nahrung und Partner zu finden. Dichte Zäune und Mauern zerschneiden ihr Revier. Eine Öffnung von etwa 13 × 13 Zentimetern am Boden im Zaun oder unter dem Gartentor genügt. Sprich mit deinen Nachbarn, damit eine ganze Kette verbundener Gärten entsteht.

Wasser

In heißen, trockenen Sommern finden Igel oft kein Wasser. Eine flache Schale mit frischem Wasser, täglich gewechselt, hilft ihnen. Gib Igeln niemals Milch: Sie vertragen keine Laktose und bekommen davon Durchfall.

Gefahren im Garten

GefahrWas hilft
Mähroboternur tagsüber betreiben, nie in Dämmerung und Nacht, Bereiche mit hohem Gras aussparen
Freischneider und Motorsensenvor dem Mähen von Böschungen und hohem Gras mit einem Stock nachsehen
Laubsauger und LaubbläserRechen benutzen, Laubhaufen nicht durchwühlen
Gartenteiche und Poolsflache Uferzone oder ein Brett als Ausstiegshilfe, Pools abdecken
Licht- und Kellerschächtemit engmaschigem Gitter abdecken oder Ausstiegsrampe einlegen
NetzeBeerennetze und Ballnetze nicht bis zum Boden spannen, Fußballtore nachts hochbinden
Schneckenkorn und andere Gifteim Biogarten nicht verwenden
Feuer im ReisighaufenHaufen vor dem Anzünden umschichten, besser gar nicht verbrennen
Löcher, Dosen, Plastikmüllwegräumen, Igel bleiben darin stecken

Besonders gefährlich sind Mähroboter, die nachts laufen. Igel rollen sich bei Gefahr ein, statt zu fliehen, und werden dabei schwer verletzt. Viele Igelstationen berichten von solchen Verletzungen. Wer einen Mähroboter nutzt, programmiert ihn ausschließlich für die hellen Stunden des Tages.

Füttern: nur in Ausnahmen

Ein gesunder Igel findet in einem naturnahen Garten genug Nahrung. Füttern kann sogar schaden, wenn es Igel an einem Ort konzentriert, Krankheiten verbreitet oder falsche Nahrung gegeben wird. Im Spätherbst kann eine Zufütterung für kleine Jungigel sinnvoll sein, die vor dem Winterschlaf noch nicht genug Gewicht haben. Dann gibst du ungewürztes Katzennassfutter mit hohem Fleischanteil oder spezielles Igelfutter, dazu Wasser. Obst, Gemüse, Brot, Milch und Essensreste sind ungeeignet.

Wann braucht ein Igel Hilfe?

Igel sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Du darfst sie nicht ohne Grund aus der Natur entnehmen. Hilfsbedürftige Igel darfst du aber vorübergehend aufnehmen, um sie gesund zu pflegen und danach wieder freizulassen. Hilfe brauchen:

  • Igel, die tagsüber herumlaufen, taumeln oder in der Sonne liegen, besonders im Herbst,
  • verletzte Igel, etwa nach einem Unfall mit Mähgeräten,
  • abgemagerte Igel mit eingefallenen Flanken,
  • verwaiste Igelbabys, deren Mutter nachweislich tot ist,
  • Igel, die bei Frost und Schnee unterwegs sind.

Setze den Igel in einen hohen Karton mit einem Handtuch, stelle ihn in einen ruhigen, nicht zu warmen Raum und biete Wasser an. Rufe dann eine Igelstation, eine Wildtierhilfe oder eine Tierarztpraxis an. Igel brauchen fachkundige Pflege, und viele Krankheiten und Parasiten erkennt nur, wer sich auskennt. Igel mit normalem Verhalten in der Nacht lässt du in Ruhe.

Ein igelfreundlicher Garten in fünf Schritten

  1. Ruhezone schaffen: Eine Ecke unter Hecken oder Sträuchern, in der nicht aufgeräumt wird, mit Laub und Ästen.
  2. Durchgang öffnen: Eine kleine Öffnung im Zaun, abgestimmt mit den Nachbarn.
  3. Gefahren beseitigen: Schächte abdecken, Teich mit Ausstieg, Netze hochbinden, Mähroboter nur tagsüber.
  4. Nahrung fördern: heimische Sträucher, Blühstreifen, Totholz und kein Gift. Wo Insekten leben, finden auch Igel Futter.
  5. Wasser anbieten: eine flache Schale in trockenen Sommern.

Wer diese Punkte umsetzt, hilft nicht nur Igeln, sondern auch Vögeln, Kröten, Eidechsen und unzähligen Insekten.

Igel im Winter: nicht stören

Wenn ein Igel in einem Laubhaufen oder im Igelhaus überwintert, braucht er absolute Ruhe. Jedes Aufwachen kostet ihn wertvolle Energiereserven. Räume deshalb Laub-, Reisig- und Komposthaufen nicht zwischen November und April auf, setze keinen Kompost um, in dem ein Igel schlafen könnte, und kontrolliere ein Igelhaus nicht. Erst im späten Frühjahr, wenn die Nächte dauerhaft mild sind, ist es Zeit für Aufräumarbeiten, und auch dann vorsichtig, mit Rechen statt Gabel.

Gefahr durch Mähroboter

Eine besondere Gefahr für Igel sind Mähroboter, vor allem wenn sie in der Dämmerung oder nachts fahren. Igel flüchten bei Gefahr nicht, sondern rollen sich ein. Viele Mähroboter erkennen sie nicht als Hindernis, und Untersuchungen haben gezeigt, dass die Geräte Igel schwer verletzen können, besonders junge Tiere.

Lass einen Mähroboter deshalb nur tagsüber fahren und nie in der Dämmerung oder nachts, wenn Igel unterwegs sind. Kontrolliere vor dem Start kurz Hecken, Ränder und hohes Gras, wo sich Igel tagsüber verstecken. Auch bei Freischneidern und Motorsensen lohnt vor dem Mähen von Böschungen und Hecken ein prüfender Blick ins Gestrüpp.

Igel im Frühjahr

Wenn die Igel im März oder April aus dem Winterschlaf erwachen, sind sie stark abgemagert und müssen schnell Nahrung finden. Ein naturnaher Garten mit Laub, Stauden und offenen Bodenstellen bietet ihnen dann Käfer, Larven und Regenwürmer. Räume Laub- und Reisighaufen deshalb nicht zu früh im Jahr weg, denn darin können noch schlafende Igel liegen.

Eine flache Schale mit frischem Wasser hilft den Tieren besonders in trockenen Frühjahren. Milch ist dagegen ungeeignet, denn Igel vertragen sie nicht.

Häufige Fragen

Ist ein Igel im Garten ein Zeichen für einen gesunden Garten?

Meist ja. Igel finden nur dort genug Nahrung, wo es viele Insekten und Verstecke gibt. Wenn Igel bleiben, ist das ein Kompliment für deinen naturnahen Garten.

Kann ich ein Igelhaus selbst bauen?

Ja. Ein Holzkasten von etwa 30 × 40 Zentimetern Grundfläche mit einem Eingangstunnel von zehn bis zwölf Zentimetern Breite, ohne Boden oder mit Luftlöchern, gefüllt mit trockenem Laub. Decke ihn mit Ästen und Laub ab und stelle ihn an einen ruhigen, schattigen Platz.

Vertreiben Igel Nützlinge?

Igel fressen auch manche Laufkäfer und Regenwürmer, die wir als Nützlinge schätzen. In einem vielfältigen Garten hält sich das im Gleichgewicht. Mehr über die Helfer im Garten steht in Nützlinge im Garten.

Darf ich einen Igel einfach mitnehmen?

Igel stehen unter besonderem Schutz und dürfen grundsätzlich nicht aus der Natur entnommen werden. Kranke, verletzte oder hilflose Tiere darf man vorübergehend aufnehmen, um sie gesund zu pflegen, muss sie danach aber wieder freilassen. Wende dich in einem solchen Fall am besten an eine Igelstation, eine Wildtierhilfe oder eine Tierarztpraxis, denn die richtige Pflege braucht Erfahrung.

Was tue ich, wenn ich tagsüber einen Igel sehe?

Igel sind nachtaktiv. Ein Igel, der tagsüber herumtorkelt, offen in der Sonne liegt oder sehr mager wirkt, ist oft krank oder geschwächt. Beobachte ihn kurz aus der Nähe, setze ihn bei Gefahr in einen hohen Karton mit einem Handtuch und wende dich an eine Igelstation oder Tierarztpraxis. Junge Igel, die im späten Herbst noch deutlich unter etwa 500 Gramm wiegen, schaffen den Winterschlaf oft nicht allein und brauchen fachkundige Hilfe.

Weiterlesen

Passende Anleitungen