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Gründüngung im Gemüsegarten: Phacelia, Klee, Senf und Roggen richtig einsetzen

Warum Gründüngung den Boden verbessert, welche Pflanzen wann passen, Aussaatmengen, winterharte und abfrierende Arten, die Kohlhernie-Falle bei Senf und wie du Gründüngung im Frühjahr einarbeitest.

Ein Beet, das nach der Ernte nackt über den Winter liegt, verliert. Regen schwemmt Nährstoffe aus, die Oberfläche verschlämmt, und im Frühjahr wächst als Erstes Unkraut. Die Natur kennt keinen offenen Boden: Kaum ist eine Fläche frei, wächst etwas darauf. Gründüngung macht sich dieses Prinzip zunutze. Du säst gezielt Pflanzen aus, die den Boden bedecken, mit ihren Wurzeln lockern, Nährstoffe festhalten und später als Mulch oder Humus in den Boden zurückkehren. Sie ist eine der einfachsten und günstigsten Methoden, einen Gartenboden über die Jahre fruchtbarer zu machen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gründüngung bedeckt den Boden, lockert ihn mit Wurzeln, baut Humus auf, hält Nährstoffe fest und unterdrückt Unkraut.
  • Phacelia ist mit keinem Gemüse verwandt und passt deshalb in jede Fruchtfolge.
  • Senf und Ölrettich sind Kreuzblütler wie Kohl. Vor oder nach Kohl können sie die Kohlhernie fördern.
  • Hülsenfrüchtler wie Klee, Wicken und Lupinen sammeln mit Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft.
  • Abfrierende Arten wie Phacelia, Senf und Buchweizen sterben im Winter ab und bilden eine Mulchdecke. Winterharte Arten wie Roggen und Wicken wachsen im Frühjahr weiter.

Was Gründüngung bewirkt

  • Bodenbedeckung: Die Pflanzen schützen den Boden vor Starkregen, Erosion, Austrocknung und Verschlämmung.
  • Lockerung: Tiefe Wurzeln, etwa von Ölrettich, Lupine und Luzerne, brechen verdichtete Schichten auf. Abgestorbene Wurzeln hinterlassen Röhren, durch die Luft und Wasser eindringen.
  • Humusaufbau: Wurzeln und oberirdische Pflanzenmasse werden zu Futter für Regenwürmer und Mikroorganismen.
  • Nährstoffe festhalten: Nach der Ernte im Boden verbliebener Stickstoff wird von der Gründüngung aufgenommen, statt ins Grundwasser ausgewaschen zu werden. Später wird er wieder frei.
  • Stickstoff sammeln: Hülsenfrüchtler binden mithilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft.
  • Unkraut unterdrücken: Ein dichter Bestand lässt Unkraut kaum Licht.
  • Nahrung für Insekten: Phacelia, Buchweizen und Klee sind hervorragende Bienenweiden.

Die wichtigsten Gründüngungspflanzen

PflanzeFamilieWinterhart?AussaatmengeBesonderheit
Phacelia (Bienenfreund)Raublattgewächsnein1 bis 2 g/m²mit keinem Gemüse verwandt, schnell, Bienenweide
BuchweizenKnöterichgewächsnein6 bis 8 g/m²sehr schnell, unterdrückt Unkraut, Sommeraussaat
GelbsenfKreuzblütlernein1,5 bis 2 g/m²sehr schnell, aber nicht vor oder nach Kohl
ÖlrettichKreuzblütlernein2 bis 3 g/m²tiefe Pfahlwurzel, nicht vor oder nach Kohl
InkarnatkleeHülsenfrüchtlerbedingt2,5 bis 3 g/m²sammelt Stickstoff, rote Blüten
Winterwicke mit WinterroggenHülsenfrüchtler und Grasja10 bis 15 g/m² als Mischungklassische Wintergründüngung
Lupine (Süßlupine)Hülsenfrüchtlernein15 bis 20 g/m²sehr tiefe Wurzeln, für leichte, saure Böden
RingelblumeKorbblütlernein1 bis 2 g/m²blüht lange, Nützlingsmagnet

Die Mengen sind Richtwerte. Halte dich an die Angaben auf der Saatgutpackung. Es gibt auch fertige Gründüngungsmischungen, deren Zusammensetzung du vor dem Kauf prüfen solltest, gerade wenn Kreuzblütler darin sind.

Die Kohlhernie-Falle

Senf und Ölrettich sind beliebt, weil sie schnell und billig sind. Als Kreuzblütler sind sie aber mit Kohl, Kohlrabi, Radieschen und Rucola verwandt. Die Kohlhernie, eine bodenbürtige Krankheit, die die Wurzeln von Kreuzblütlern zu Knollen verformt, kann sich über sie im Boden halten und vermehren. Ihre Dauersporen überleben viele Jahre. Säe Senf und Ölrettich deshalb nur auf Flächen, auf denen in den nächsten Jahren kein Kohl stehen soll, oder greife gleich zu Phacelia und Buchweizen. Wie Familien in der Fruchtfolge wandern, erklärt Fruchtfolge planen.

Wann säen?

Sommer-Gründüngung: Zwischen zwei Kulturen, etwa nach Frühkartoffeln oder Erbsen im Juni oder Juli, kannst du für sechs bis acht Wochen Buchweizen oder Phacelia säen. Sie blühen schnell und werden vor der nächsten Kultur gemäht.

Herbst-Gründüngung: Die häufigste Form. Nach der Ernte von August bis Mitte September säst du Phacelia, Senf, Ölrettich oder Inkarnatklee. Sie wachsen bis zum Frost, frieren dann ab und bilden eine Mulchdecke über den Winter.

Winter-Gründüngung: Auf Flächen, die erst im späten Frühjahr wieder gebraucht werden, säst du bis Anfang Oktober Winterroggen mit Winterwicke. Sie überwintern grün und bilden im Frühjahr viel Masse.

Frei gewordene Beete im Spätherbst, für die es zu spät für Gründüngung ist, deckst du mit Laub ab, wie in Laub im Garten nutzen beschrieben.

Aussaat

  1. Räume das Beet ab und entferne große Unkräuter.
  2. Lockere die Oberfläche flach mit der Hacke oder dem Rechen.
  3. Säe breitwürfig: Mische feines Saatgut wie Phacelia mit etwas Sand, damit es sich gleichmäßiger verteilt.
  4. Recht die Samen leicht ein und drücke die Fläche an, etwa mit der Rückseite des Rechens oder einem Brett.
  5. Halte die Fläche feucht, bis die Saat aufgeht. Im Spätsommer ist das oft nach wenigen Tagen der Fall.

Gründüngung im Frühjahr einarbeiten

Abgefrorene Gründüngung liegt im Frühjahr als dünne Mulchdecke auf dem Beet. Du kannst direkt hindurch pflanzen oder die Reste zur Seite rechen, wenn du feine Saaten wie Möhren säen willst.

Winterharte Gründüngung wie Roggen und Wicken mähst du im Frühjahr, bevor sie Samen bildet, spätestens zur Blüte. Lass das Schnittgut zwei bis drei Tage anwelken und arbeite es dann flach in die obersten fünf bis zehn Zentimeter des Bodens ein, oder lass es als Mulch liegen. Zwischen dem Einarbeiten und der nächsten Aussaat sollten zwei bis vier Wochen liegen, weil verrottende Pflanzenmasse vorübergehend Stickstoff bindet und keimende Samen hemmen kann. Gepflanzte Jungpflanzen vertragen das besser als Direktsaaten.

Tiefes Unterpflügen ist nicht nötig und im Biogarten auch nicht erwünscht. Wie du ganz ohne Umgraben gärtnerst, erklärt Gärtnern ohne Umgraben.

Gründüngung in der Fruchtfolge

Gründüngung lässt sich gut in einen Anbauplan einbauen. Ein Beispiel für vier Beete, die jedes Jahr weiterwandern:

BeetHauptkulturDanach im Spätsommer
StarkzehrerKürbis, Zucchini, KohlWinterroggen mit Wicke, falls früh geräumt, sonst Laub
MittelzehrerMöhren, Zwiebeln, Rote BetePhacelia
SchwachzehrerBohnen, ErbsenPhacelia oder Buchweizen nach Erbsen
ErholungsbeetKräuter, Erdbeeren oder GründüngungInkarnatklee für den nächsten Starkzehrer

Wichtig ist, die Familie der Gründüngung mitzudenken. Phacelia und Buchweizen passen fast überall, Kreuzblütler nur dort, wo lange kein Kohl folgt. Mehr dazu in Fruchtfolge planen.

Gründüngung im Kleingarten und auf Mietflächen

In Kleingärten gilt oft die Vorgabe, dass ein Teil der Fläche gärtnerisch genutzt werden muss. Gründüngung ist eine anerkannte Kulturmaßnahme und zeigt, dass ein Beet bewusst gepflegt wird, auch wenn gerade kein Gemüse darauf wächst. Phacelia und Ringelblumen sehen dabei so schön aus, dass sie oft Gespräche über den Zaun auslösen. Wer eine Fläche nur für wenige Wochen frei hat, sät schnell wachsenden Buchweizen, der schon nach sechs Wochen eine dichte Decke bildet.

Gründüngung für Bienen und andere Insekten

Viele Gründüngungspflanzen blühen und sind wertvolle Nahrungsquellen für Insekten. Phacelia, auch Bienenfreund genannt, ist besonders beliebt: Sie ist mit keiner verbreiteten Gemüsefamilie verwandt, passt deshalb gut in jede Fruchtfolge und wird von Hummeln und Bienen stark besucht. Auch Buchweizen und Sonnenblumen liefern Nektar und Pollen.

Wenn du die Blüte für Insekten nutzen möchtest, lass die Gründüngung einige Wochen blühen, schneide sie aber, bevor sich reife Samen bilden. Sonst säen sich die Pflanzen im nächsten Jahr im ganzen Beet aus.

Abfrierende und winterharte Arten

Gründüngungspflanzen lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Abfrierende Arten wie Phacelia, Buchweizen, Senf oder Ölrettich sterben beim ersten stärkeren Frost ab. Ihre Reste bleiben als Mulchschicht auf dem Beet liegen, schützen den Boden über den Winter und lassen sich im Frühjahr leicht flach einarbeiten oder kompostieren. Beachte, dass Senf und Ölrettich zu den Kreuzblütlern gehören und deshalb nicht vor oder nach Kohl stehen sollten.

Winterharte Arten wie Winterroggen, Winterwicke oder bestimmte Kleearten wachsen über den Winter weiter und halten den Boden bedeckt. Im Frühjahr musst du sie rechtzeitig vor der nächsten Kultur abmähen und oberflächlich einarbeiten, damit sie sich zersetzen können. Sie eignen sich besonders für Beete, die erst spät im Frühjahr wieder bepflanzt werden.

Häufige Fragen

Kann ich Gründüngung auch im kleinen Garten nutzen?

Ja, schon auf einem einzelnen frei gewordenen Beet lohnt sie sich. Phacelia sieht in Blüte zudem sehr schön aus und zieht viele Insekten an.

Was mache ich, wenn die Gründüngung Samen bildet?

Mähe sie vorher. Phacelia und Buchweizen säen sich sonst im nächsten Jahr selbst aus. Das ist meist kein großes Problem, kann aber in Beeten mit feinen Saaten stören.

Lohnt sich Klee im Gemüsegarten?

Inkarnatklee und andere Kleearten sammeln Stickstoff und sind ideal vor Starkzehrern wie Kohl oder Kürbis. Sie wachsen aber langsamer als Phacelia, deshalb früh säen.

Wie viel Saatgut brauche ich?

Die benötigte Menge steht auf der Packung, meist in Gramm pro Quadratmeter. Feine Samen wie Phacelia brauchen nur wenige Gramm pro Quadratmeter, große Samen wie Erbsen oder Bohnen deutlich mehr. Säe lieber etwas dichter als zu dünn, denn ein dichter Bestand unterdrückt Unkraut besser.

Muss ich Gründüngung umgraben?

Nein. Es reicht, die Pflanzen abzumähen oder abfrieren zu lassen und die Reste als Mulch liegen zu lassen oder flach mit der Hacke einzuarbeiten. Tiefes Umgraben ist nicht nötig und stört das Bodenleben. Wer ohne Umgraben gärtnert, findet dazu mehr im Ratgeber Gärtnern ohne Umgraben.

Kann ich Gründüngung zwischen Gemüsereihen säen?

Ja, niedrig bleibende Arten wie Weißklee oder Gelbklee lassen sich als Untersaat zwischen hochwachsende Kulturen wie Mais oder Kohl säen. Sie bedecken den Boden, unterdrücken Unkraut und sammeln Stickstoff. Gieße in Trockenzeiten etwas mehr, weil Gemüse und Untersaat um Wasser konkurrieren.

Eine Mulchschicht auf den Reihen mildert die Konkurrenz zusätzlich.

So bleibt auch zwischen den Reihen kein Boden nackt.

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